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Kultur geht uns alle an

Die Gesellschaft sollte der Kultur mehr Bedeutung zumessen, schreibt «Anzeiger»-Kolumnist Peter Stämpfli. Damit diese gedeihen könne, brauche es auch einen Rahmen, der dies ermögliche. Doch auch Kultur in einem weiteren Sinne, wie etwa eine Unternehmenskultur, müsse gestaltet werden. 

| Peter Stämpfli | Politik
Peter Stämpfli. Foto: zvg
Peter Stämpfli. Foto: zvg

Gemessen an der Bedeutung, die die Kultur für die Gesellschaft hat, wird sie politisch stiefmütterlich behandelt. Nicht dass der Staat wenig Geld für Kultur ausgeben würde, doch wird sie eher als Muss denn als Wunsch unterstützt. Das ist Ausdruck einer Politik, die das Paradigma des gesamtheitlichen Denkens nicht wirklich verstanden hat. Leider gilt das auch oft in der Wirtschaft.

Kulturelles Leben, die Künste, sind ein Gradmesser dafür, wie eine Gesellschaft zusammenlebt, wie sie denkt, wie frei sie ist und wie sie sich organisiert. Kulturelles Schaffen findet immer statt, selbst unter den widerlichsten Umständen. Das Ausmass dieses Schaffens und wie es in der Öffentlichkeit dargestellt wird, hängt von der ­politischen Situation sowie der Aus­bildung und der Befindlichkeit der ­Bevölkerung ab. 

Eine liberale Gesellschaft, wie wir sie in der Schweiz kennen, lässt Kulturschaffende frei arbeiten und sorgt für einen institutionellen Rahmen, der die Darstellung von Kultur ermöglicht. Subventionen an Museen, Theater, Orchester, die Freie Szene und an unzählige einzelne Projekte sind Garanten dafür, dass nicht wenige Mächtige mit ihrem Portemonnaie weitgehend bestimmen können, was wir zu sehen bekommen. Eine liberale Gesellschaft tut gut daran, die Kulturschaffenden in gesellschaftliche Prozesse einzubeziehen. Ihre Art der Kreativität und dass sie an Aufgaben anders herangehen als andere, würde manches Infrastrukturprojekt, die Gestaltung des öffentlichen Raums oder auch die Suche nach gesellschaftlichen Lösungen bereichern.

Kultur ist nicht nur das Wirken der Kultur- und Kunstschaffenden, sondern die Art und Weise, wie wir alle miteinander umgehen, wie wir füreinander einstehen, streiten und Lösungen für mehr Wohlstand und Wohl­befinden finden – Kultur ist also das Abbild einer Gesellschaft. Das gilt auch für die Wirtschaft. Unternehmenskultur ist mehr als nur vage Schlagworte in einem veröffentlichten Leitbild. Unternehmenskultur muss gestaltet werden. Sie entscheidet über die Wahrnehmung des Unternehmens in der Öffentlichkeit, die Zusammenarbeit im Unternehmen und mit Kunden und Partnern sowie über das Wohlbefinden der Mitarbeitenden. Dabei ist Wohlbefinden kein schöngeistiges Wunschkonzert, sondern prägend für die Entfaltung von Kreativität, für langfristiges Engagement, für die Bereitschaft zu Eigenverantwortung und für Gesundheit. Wohlbefinden entsteht, wenn Mitarbeitende als Menschen geachtet werden: in den Unternehmen, in den Familien, in der Nachbarschaft, in den öffentlichen Diskussionen und im politischen Handeln. 

Zu einer langfristig wertvollen Kultur, einer Kultur, die bewusst und achtsam gestaltet wird, gehören stets die Fragen nach dem Wie und den langfristigen Folgen. Das ist eine Verantwortung, die wir als Bürgerinnen und Bürger alle tragen.

Zur Person: Peter Stämpfli leitet zusammen mit seinem Bruder die Stämpfli Gruppe, Verlags- und Kommunikationsunternehmen, in Bern. Er engagiert sich für wirtschafts- und ­sozialpolitische Anliegen, u. a. als Präsident der Unternehmergruppe Fokus Bern.


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