Skip to main content

-


Anzeige

Anzeige


Frau Flückiger rettet das Landhockey

Vor nicht allzu langer Zeit ging es dem Hockey Club Bern richtig schlecht. Dann kam Barbara Flückiger.

| Anina Bundi | Sport
Barbara Flückiger bringt den Kleinsten im freiwilligen Schulsport das Hockey bei. Foto: Nik Egger

Seinen Tiefpunkt hatte der Hockey Club vor etwa zehn Jahren. Acht, neun Kinder besuchten noch das Training, was eher schlecht als recht für eine U11-Mannschaft reichte. Bei den Herren fehlten Spieler, an ein Damenteam war nicht zu denken.

Die Wende geschah im Berner Lorrainequartier. Jeden Dienstag bringt Barbara Flückiger hier Kindergärtelern bis Zweitklässlern das Landhockey bei. Dass es ihnen gefällt, sieht und hört man gut. Obwohl vor allem Technik geübt wird, ein Trainingsmätschli fehlt komplett, sind die Kinder beim Besuch des «Anzeigers» extrem konzentriert. Wenn Frau Flückiger etwas erklärt, ruhig und ohne militärisches Geschrei, wird zugehört. Auch das Aufräumen zum Schluss läuft diszipliniert ab.

«Ein gewaltiges Problem»

Nach einer Hochphase in den frühen 90ern ging es um die Jahrtausendwende rasant abwärts mit dem Berner Landhockey. Zu schaffen machte ihm die Konkurrenz durch Fussball, seit den 80er-Jahren war zudem das Unihockey auf dem Vormarsch. «Wir hatten ein gewaltiges Problem», sagt Ueli de Maddalena, der mit Pausen seit bald 30 Jahren als Juniorentrainer amtet und den Club in- und auswendig kennt.

Heute trainieren wieder 50 Junioren und Juniorinnen im HC, die Herrenmannschaft hat 15 Mitglieder und seit letztem Winter spielt erstmals wieder ein Damenteam in der Schweizermeisterschaft. Zwar sind zurzeit noch beide Aktiven-Teams in der tiefsten Liga, bei den Männern ist das die  
1. Liga, bei den Damen die Nati B, aber dort stehen sie an der Tabellenspitze.

Barbara Flückiger ist Heilpädagogin an der Schule Lorraine. Als junge Frau spielte sie im damals recht erfolgreichen HC, wurde gar einmal Vize-Meister. Sie fand, an der Schule fehle ein Sportangebot für die ganz Kleinen. Seit 2014 gibt es nun eines. Es ist die einzige Berner Schule mit Landhockey im freiwilligen Schulsport.

Rund die Hälfte des Nachwuchses beim HC Bern hat hier den Einstieg gefunden, auch bei den Aktiven stellen die Lorrainekinder mittlerweile einen guten Teil der Teams. «Landhockey ist und bleibt in der Schweiz eine Randsportart. Aber wir haben hier im Quartier eine Nische, in der es fast alle kennen. Das ist schön», sagt Flückiger.

Keine Checks erlaubt

Fast die Hälfte der Kleinen sind Mädchen. Zwar spielen bei den Älteren immer noch mehr Buben und Männer, das Verhältnis ist aber ausgeglichener als etwa im Fussball. Mädchen und Frauen dürfen bis hinauf zur NLB in den Buben- und Männerteams mitspielen, auch in der Meisterschaft. «Es ist ein sehr technischer Sport, in dem die Taktik wichtig ist», erklärt Flückiger. Kraft und Schnelligkeit spielen auch eine Rolle. «Aber es ist kein grober Sport. Es sind keine Checks erlaubt.»

Selber ist sie 1.57 Meter gross. Vor dem Hockey spielte sie Basketball und später Volleyball. «Da kam ich mit meiner Grösse an die Grenzen. Im Landhockey ist das anders.» Seit gut einem Jahr ist sie auch Präsidentin des Clubs. Ihr sei wichtig, damit für die Mädchen ein Vorbild zu sein. Ausserdem habe sie eine andere Kultur als manche Männer. «Da kommen wir jetzt in die Klischees. Aber mir ist das direkte Gespräch sehr wichtig. Ich frage eher mal persönlich nach, als ein Mail zu schreiben.» Das stärkt den Teamgeist, den Kindern ist es wohl im Training.

Nicht alle Lorrainekinder wechseln vom Schulsport zum Club, wo Flückiger auch Trainings gibt. Im letzten Jahr etwa waren es drei. Mittlerweile finden Spieler und Spielerinnen auch auf anderen Wegen zum HC. Migranten aus Deutschland und den Niederlanden, wo das Landhockey viel grösser ist als in der Schweiz, finden den Club über Google, auch Social Media haben an Wichtigkeit gewonnen. Das sei eine gute Mischung, sagt Barbara Flückiger. «Wenn alle aus der gleichen Gruppe stammen, ist nicht gut. Es besteht das Risiko, dass sie einander folgen, wenn eines aufhört. Und neue Freundschaften unabhängig vom Quartier sind auch immer bereichernd.»

Allzu offensiv für den Club werben dürfe sie in der Schule sowieso nicht. Ein unendliches Wachstum sei auch kein Ziel, nicht zuletzt weil dafür die Trainingsplätze fehlen. «Ich freue mich einfach, dass es wieder läuft, und ganz besonders, dass wir wieder ein Damenteam haben.» Dass das zu einem grossen Teil ihr Verdienst ist, will sie selber nicht so bestätigen. Für Ueli de Maddalena aber ist klar: «Ohne den Schulsport in der Lorraine könnte der Club nicht überleben.»

 


Ihre Meinung interessiert uns!


Verwandte Artikel


Berner und Bernerinnen sind glücklich in der Stadt

Fast alle Menschen in der Stadt Bern leben gern hier. Sie schätzen die überschaubare Grösse und den öffentlichen Verkehr. Weniger schön finden sie die Wohnungssuche und dass zu viele Autos durch die Stadt fahren.

Ende und Neuanfang des «Anzeiger Region Bern»

Ab Dezember berichtet eine Redaktion im Anzeiger über das politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Geschehen in der Stadt und Agglomeration Bern. Die amtlichen Mitteilungen und die Baupublikationen werden nächstes Jahr aber nicht mehr in der Zeitung zu finden sein. Die Hintergr…

Zwei Urgesteine sagen Tschüss

 Der langjährige Gemeindepräsident Lorenz Hess (Mitte) und Gemeinde­rätin Elisabeth Baumberger (FDP) sind an der Gemeindeversammlung verabschiedet worden. Damit verliert Stettlen über 40 Jahre Exekutiv­erfahrung auf einen Schlag.