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Den Schmerz wegtanzen mit Soukey und Z The Freshman

Das Duo Soukey und Z The Freshman erobert mit seinem Album «Monsun» die Berner Musikszene. Mit ihrem einzigartigen Stil und einem Auftritt beim diesjährigen Gurtenfestival versprechen sie tanzbare Beats und futuristische Klänge direkt aus der Hauptstadt.

| Linda Pfanner | Kultur
Z The Freshman und Soukey. Foto: zvg
Z The Freshman und Soukey. Foto: zvg

Mit seinem Album «Monsun» bringt das Duo Soukey und Z The Freshman frischen Wind in die Berner Musik­szene. Ihr selbst definierter Stil «Afro Future Nostalgia» verbindet sphärische Klänge mit mitreissenden Afro-Beats und will auf der Zeitreise in das Jahr 2071 sowohl melancholische als auch futuristische Gefühle auslösen. 

Die 21-jährige Soukey ist in Murten aufgewachsen und mit 14 nach Bern gekommen. Mit ihrer EP «AUBTROUM» (2022) und ihrem eigenen Stil zwischen Trap, Dancehall und Metal gewann sie 2022 den «Demo of the Year»-Award am M4-Music-Festival in Zürich. Ihr Duo-Partner Z The Freshman, 23, hat die Schweizer Rapszene seit 2020 mit drei Alben aufgemischt. Dabei ist das dritte Album ein RNB-Soul-Collabo-Album mit Hotel Samar. Als Duo konnten die zwei nun einen Platz auf dem Line-Up des diesjährigen Gurtenfestivals Bern ergattern. 

In der intimen Berner Hip-Hop-Szene wussten beide schon länger voneinander. Bei der wöchentlichen Freestyle Session im HipHop Center in Bern hörten sie einander regelmässig. Soukey, die ihren Fokus gerne auf das Produzieren von Musik legt, lud unterschiedliche Künstler und Künstlerinnen zu sich ins Studio ein, um dort musikalisch zu experimentieren. So fand auch Z seinen Weg in Soukeys Studio in der Berner Innenstadt. 

Beide traten bereits auf Berner Bühnen auf, merkten aber, dass sie gemeinsam auf grössere Bühnen kommen. Nach etlichen gemeinsamen Stunden im Studio entstanden viele Skizzen. So formte sich dann schliesslich im vergangenen Jahr das Duo. «Manchmal haben wir nur geredet, an anderen Tagen wurde sieben Stunden durchgearbeitet», sagt Soukey. Stets mit dem Motto: «Alles, was sich gut anfühlt, ist geil», sagt Z. 

Gemeinsam im Monsun

Die Chemie scheint zu stimmen zwischen den beiden. Abwechselnd erzählen sie von ihrer Erfahrung während des kreativen Prozesses und erinnern sich gerne daran. Auch beim Texte­schreiben ergänzten sie sich.
Jedes Lied sei ein gemeinsames Werk, entstanden durch gemeinsames Schreiben und «Zusammenwerfen von Wörtern», wie es Soukey beschreibt. 

Das funktionierte auch, weil beide gerade aus einer Phase kamen, wo sie höhere Ansprüche an die Kohärenz ihrer Texte hatten. Wenn Z gerade einen Durchhänger hat, dann übernimmt Soukey mehr Verantwortung und umgekehrt. «Wir sind beide ‹ADHS-Gringä›, abwechselnd können wir einander immer wieder tragen», sagt Z. 

Den Titel des Albums, «Monsun», fand das Duo, nachdem alle Lieder geschrieben waren. Dabei habe sich das Album wie ein beständiger, durchdringender Regen angefühlt. «Monsun ist ein Regen, der nicht nur die Welt, sondern auch deine Seele durchnässt», sagt Soukey. «Wir machen Songs, die immer auch etwas Schmerz ausdrücken», sagt Z. Tatsächlich stehen die emotionalen Texte im Kontrast zu den tanzbaren Rhythmen ihrer Musik. Dies zeigt sich beispielhaft in Liedern wie «Dance The Pain Away», die die emotionale Tiefe des Albums unterstreichen.

Die futuristischen Klänge nehmen einen mit in eine noch bevorstehende Zeit. Dabei hat sich das Duo für das Jahr 2071 entschieden. Die Entscheidung hinter der Jahreszahl ist deutlich trivialer. 70 war zu rund, 80 zu viel und 60 zu komisch.

Die Harmonie nimmt das Duo auch auf die Bühne mit. Vor den Auftritten gibt es nach wie vor eine Teambesprechung. Mit dem Gedanken: «Egal, was passiert, wir sind zusammen da», wie beide gemeinsam wiederholen. Das sei nicht immer einfach. Vor Kurzem lief nicht alles rund bei einem Auftritt im «Exil». Die Technik machte Probleme. Das sei ein grosser Lernmoment gewesen. «Man muss zusammen lernen, auszuhalten, und zur gleichen Zeit realisieren: Hey, wir sind ein Team», sagt Z. 

Vom Gaskessel zur Waldbühne 

Bei der Plattentaufe im Gaskessel im vergangenen Jahr konnten die beiden einen unerwarteten Booker des Gurtenfestivals überzeugen. Die beiden wussten nichts vom Interesse des Festivals. Nach dem Auftritt veröffentlichte dieser eine Instagram-Story, «da ahnten wir schon, dass die Waldbühne unser nächstes Ziel sein könnte», sagt Soukey. Es ist für beide nicht das erste Mal, dass sie Gurtenbühnenluft schnuppern dürfen. Im kleineren Rahmen hatten sie schon die Möglichkeit, bei anderen Artists aufzutreten. Nun haben sie ihren eigenen Auftritt auf dem Gurtenfestival. 

Nur die Schweizer Radio-Welt muss noch überzeugt werden. Das sei gar nicht so einfach. Die Resonanz sei zurückhaltend. «Die Schweizer Musiklandschaft ist sehr restriktiv, was neue künstlerische Entwürfe angeht», sagt Z, «diese Risikoarmut finde ich
extrem schade.» Trotzdem werden wir noch mehr vom Duo hören. Die Zukunft ist zwar noch offen. Aber: «Wir gedenken aber, dieses Universum noch auszubauen», sagt Z.


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